Sowjetisches Kulturmodell und das tschechische Theater 1945-1968 : Zum Spannungsverhältnis zwischen tschechoslowakischer Kulturpolitik und tschechischem Theater

Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges bot sich der tschechischen Kultur nach 1918 zum zweiten Mal in ihrer Geschichte die Gelegenheit, sich vom jahrhundertelang dominierenden deutschen Einfluß zu emanzipieren. Kultur und Politik wurden dabei von einer bereits während des Krieges einsetzenden
panslavistischen Welle getragen. Die Gefahr der Umwandlung der noch funktionierenden Demokratie in eine totalitäre Gesellschaftsordnung nach sowjetischem Vorbild und die damit verbundene neue Abhängigkeit wurde in der unmittelbaren Nachkriegszeit nur von einigen wenigen Skeptikern wahrgenommen.
Das Theater bietet sich als traditioneller Identifikationsort der tschechischen Nation wie auch als Schnittpunkt verschiedener Kunstgattungen für die Untersuchung der Sowjetisierung der tschechischen Kultur an. Dies hebt jedoch keineswegs auf eine umfassende historische Darstellung des tschechischen Theaterwesens ab, sondern vielmehr auf die Analyse des vielleicht einflußreichsten Prozesses, nämlich die strukturelle Umstellung des tschechischen Theaters auf das sowjetische Modell und seine Folgen. Die Auswahl der 150 Dokumente des zweiten Bandes ist dieser
zentralen Fragestellung untergeordnet. Es handelt sich um Texte, die zum größten Teil bisher nicht publiziert wurden oder aber schwer zugänglich sind. Die Originalsprache wurde um der Authentizität willen beibehalten.

With the end of the Second World War, Czech culture had the opportunity for the second time in its history since 1918 to emancipate itself from the German influence that had dominated for centuries. Culture and politics were carried by a wave of pan-Slavism that had already begun during the war. In the immediate post-war period, only a few sceptics were aware of the danger of transforming the still functioning democracy into a totalitarian social order based on the Soviet model and the new dependency associated with this. As a traditional place of identification of the Czech nation as well as an intersection of various artistic genres, the theatre lends itself to an examination of the Sovietisation of Czech culture. However, this is by no means intended as a comprehensive historical account of Czech theatre, but rather as an analysis of perhaps the most influential process, namely the structural conversion of Czech theatre to the Soviet model and its consequences. The selection of the 150 documents in the second volume is subordinate to this central question. Most of the texts have not yet been published or are difficult to access. The original language has been retained for the sake of authenticity.

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